gerlinde jänicke, 94.3 RS2, radiomoderatorin, berlin

Auf eine Currywurst mit … Gerlinde Jänicke

Ihre Stimme hat man im Ohr: Seit über 25 Jahren macht Gerlinde Jänicke Radio für die Hauptstadt. Mit einem bodenständigen Gespür für Timing, Pointen und gute Geschichten hat die Ur-Berlinerin sich unzählige Fans und 2017 sogar den Deutschen Radiopreis als „Beste Moderatorin“ erarbeitet. Wir haben die 94,3 rs2-Morgenmoderatorin, die gutes Essen, ihren Hund Miley und schnelle Fahrgeschäfte liebt, auf eine Currywurst am Ku’damm eingeladen.

Mit Darm oder ohne?

Gerlinde Jänicke: „Immer mit. Das ist eine andere Bissfestigkeit, einfach knackiger. Nachdem ich Anfang 2017 ja eine Zeit lang ganz fleischfrei gelebt habe, greife ich immer mal zur veganen Variante. Da ist dann allerdings nichts drumrum. Da geht es ja dann eher um die Soße und die Gewürze. “

Kochen oder bekochen lassen?

Jänicke: „Ich koche lieber, das ist das einzige, was ich richtig gut kann. [lacht] Gemeinsam kochen mag ich allerdings nicht so gerne. Ich verwöhne lieber. Ich habe eine sehr kleine Küche, da passt sowieso nur ein Mensch rein. Und es gibt auch keine richtige Arbeitsfläche. Ich muss da immer improvisieren. Außerdem möchte ich, dass meine Gäste die Arbeit gar nicht sehen, solange das Essen noch unfertig ist.

Was ich wirklich richtig gut kann, ist Coq au vin. Da ist das Geheimnis ganz viel Wein. [lacht] Die Franzosen machen da ja immer noch Champignons rein und alle möglichen Gemüsesorten. Bei mir ist das wirklich nur der Rotwein, das Huhn, Tomaten. Das ist mit relativ wenigen Mitteln gemacht. Außerdem ist alles, was du im Ofen machen kannst, sehr gut für Gäste, weil du nicht die ganze Zeit in der Küche stehen musst. Du bereitest das einfach vorher zu und stellst es dann in den Ofen. Und wenn sie kommen, dann riecht das schon gut.“

Schlossstraße oder Ku’damm?

Jänicke: „Ich gehe wirklich so gut wie nie shoppen, sondern besorge mir alles im Internet. Aber wenn ich einkaufen gehe, dann am ehesten in der Schlossstraße. Da war ich schon als Kind. Damals fand man das natürlich total spannend, mit einer Freundin durch die Geschäfte zu ziehen. Es fühlt sich immer noch vertraut an dort. Zum Beispiel der McDonalds, in dem ich früher gearbeitet habe, der sieht immer noch genau so aus wie damals. Klar, sie haben was erneuert und den Laden schöner gemacht, aber ich denke immer noch: Krass, hier habe ich mal angefangen. Erstaunlich finde ich, dass die ganzen Shopping-Center in der Schlossstraße so gut zu funktionieren scheinen. In meiner Kindheit gab es nur das Forum Steglitz. Und da war so eine Mall noch was ganz Aufregendes. Heute werden ständig welche von diesen Dingern gebaut.“

Herz oder Schnauze?

Jänicke: „Also es gibt ja kaum noch richtige Berliner. Jedesmal, wenn ich einen Berliner treffe, ist das für mich ein Festival. Dann denke ich: Wow, ich bin doch nicht das letzte Einhorn! [lacht] Der Ur-Berliner selbst klingt manchmal kaltherzig ist aber sehr warmherzig. Du wirst von ihm nicht vor die Tür gesetzt, er ist gastfreundlich. Aber du musst eben verstehen, dass du erstmal etwas ruppig behandelt wirst. Da können viele Zugezogene einfach nicht so gut mit umgehen. Die sagen dann erstmal: In Berlin sind alle so schlecht gelaunt. Ich frage mich dann immer, wen die eigentlich meinen? Die meisten Leute sind doch neu hier … Vielleicht ist Berlin einfach eine schlecht gelaunte Stadt. Ich würde trotzdem sagen, Herz plus Schnauze, die Mischung macht es aus. Ein bisschen mehr Schnauze, wenn ich mich entscheiden müsste.“

Deutschland oder USA – was sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede? [Gerlinde ist die Tochter einer US-Amerikanerin und eines Berliners und besitzt beide Pässe.]

Jänicke: „Der größte Unterschied in meinen Augen: Die Deutschen sind nicht ganz so offen – dafür aber sehr auf Freundschaften fixiert. Die Amerikaner sind sehr schnell sehr offen, freundlich, zugänglich. Dafür schließen sie aber keine Freundschaften. Das ist wirklich krass. Ich war zum Beispiel mal mit meinem Vater campen und nach der Anreise kam gleich ein Ami mit einem Riesen-Tablett Burritos und hat uns einfach eingeladen. Aber nachdem wir 10 Minuten total nett gequatscht hatten, merktest du einfach, es reicht, jetzt ist Zeit zu gehen. Abends sitzt man auch nicht so lange zusammen. Wenn man nicht rechtzeitig geht, dann sagen die Gastgeber irgendwann: So tschüss, das war’s.

Was Gemeinsamkeiten sind? Der Sinn für Verlässlichkeit ist auf alle Fälle ähnlich. Deutsche und Amerikaner, beide sind zuverlässig. Es gibt kein italienisches oder französisches Laissez-faire, man kann sich auf Zusagen oder Verabredungen verlassen. Aber natürlich sagen die Amis auch Sachen, die sie nicht meinen. Zum Beispiel, wenn dich ein Interviewpartner einlädt: Du, wenn du in Kalifornien bist, kommst doch einfach mal vorbei und besuch’ mich. Dann weiß der nach 10 Minuten schon gar nicht mehr, wer du bist. Hier bei uns wirst du ganz selten eingeladen, aber wenn, dann richtig. [lacht]“

Zufall oder Schicksal – welcher Weg hat dich zum Radio geführt?

Jänicke: „Zufall. Ich hatte nie eine Ausbildung, habe die Schule nicht fertig gemacht und gar nichts gelernt. Ich habe dann bei McDonalds gearbeitet ungefähr im Alter von 18 bis 20 und war froh, dass ich überhaupt was hatte. Aber selbst da gab es bei mir ständig ein Minus in der Kasse. [lacht] Dann kam ein Anruf von Rik De Lisle, meinem späteren Chef. Er kannte mich noch aus Kinderzeiten, ich habe mit seiner Tochter gespielt. Schon damals hat er immer gesagt: Du hast was, man hört dir gerne zu.

Irgendwann hat er sich dann wirklich noch an mich erinnert und fragte, ob ich nicht Lust hätte, zum Radio zu kommen. Am Anfang sind die anderen Kollegen wahnsinnig geworden und wollten mich da echt nicht haben. Er war der einzige, der sich hinter mich gestellt hat. Aber ich habe durchgehalten und jeden Tag 16 Stunden gearbeitet, um alles zu lernen, was die anderen schon konnten. Am Ende hätte ich mir keinen besserem Beruf aussuchen können. Als Moderatorin kann ich den Menschen ganz nah sein, ohne das Gefühl zu haben, ich werde erdrückt. Ich bin generell lieber alleine oder zu zweit – trotzdem liebe ich Menschen. Mein Beruf ist ein Geschenk. “

Radiopreis oder Riesen-Einschaltquote – worauf bist du stolz?

Jänicke: „Das einzige was ich erreichen möchte, ist ein einziger aggressiver Typ, der morgens so gute Laune bekommt und sich so wohl fühlt, dass er entspannt ist und nett zu seinem Umfeld. Jeder einzelne Hörer, der das gut findet, was ich mache, ist für mich schon ein großer Erfolg. Andererseits kann ich ganz schwer mit Kritik umgehen. Dann zweifle ich sofort an mir und denke: Okay, schade, ich schmeiß’ hin. Deshalb gucke ich mir FB-Sachen und so was auch gar nicht an. Mich belastet das sehr, wenn Leute mich nicht mögen.

Der Radiopreis ist natürlich toll, der freut mich fürs Haus, für rs2. Aber für mich hat sich dadurch gar nichts verändert. Und ich bin auch definitiv nicht die beste Radiomoderatorin. Aber ich bin vielleicht eine der längsten und der erfolgreichsten – ich mache das seit über 25 Jahren und ich war immer irgendwie da. Da bin ich richtig stolz drauf, obwohl ich nicht weiß, wie ich das geschafft habe. Ich könnte auch niemandem meinen Job beibringen, ich gehe echt nur hin und erzähle was. Aber genau so finde ich das gut. Denn das bedeutet, dass nicht Berechnung sich auszahlt, sondern Authentizität.“

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: © XAMAX

 

Info

Mehr über Gerlinde Jänicke lesen Sie hier: Interview „Ein Berliner Leben“

Curry 36
Filiale Mehringdamm
Mehringdamm 36
10961 Berlin
Telefon: 030 25800 88336
Öffnungszeiten täglich 9 bis 5 Uhr

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