Marlene Deluxe, Curry36, Berlin, Currywurst

Auf eine Currywurst mit … Marlene Deluxe

Wer in den vergangenen Jahren in der Bar jeder Vernunft oder im Tipi am Kanzleramt zu Gast war, kennt sie garantiert. Als immer präsente, immer freundliche und immer perfekt gestylte Hausdame sorgt Marlene Deluxe in beiden Häusern für das Wohl der Gäste. Und auch sonst ist die umtriebige Berlinerin in der Stadt nicht so leicht zu übersehen. Wir haben sie auf eine winterliche Currywurst getroffen.

Mit Darm oder ohne?

Marlene: „Zuallererst vegetarisch. Der Rest ist mir eigentlich egal, weil ich meistens sowieso nur die Soße ablecke. [lacht] Auch beim Barbecue würde ich mir keinen Fleischersatz auf den Grill legen denn ich bin so gar keine Wurstesserin, egal in welcher Form. Einfach, weil mir Fleisch nicht gut schmeckt. Das mit dem Tierwohl ist ein willkommener Nebeneffekt.“

Kochen oder bekochen lassen?

Marlene: „Ich weiß beides sehr zu schätzen. Aber Tipi und Bar spielen ja meistens parallel und an gut 30 Tagen im Monat. Dazu kommen Freunde, die man auch mal treffen aber nicht unbedingt bekochen möchte. Deshalb passiert es abends gar nicht so häufig, dass ich mal ganz in Ruhe zu Hause bin. Ich finde kochen aber ein sehr zelebrierendes Moment. Zum Abschalten ist es mir fast lieber als eine heiße Wanne. Wenn man so steht und bei Musik vor sich hin schnibbelt. Dabei bin ich eine echte Nasckatze und esse immer viel nebenbei. Das ist bei vegetarischer Küche praktisch: Ich bin so automatisch auch Rohkost-Esserin. [lacht|

Übrigens kenne ich mich in Sachen Drinks auch ziemlich gut aus. Es gab sogar einen Champagner-Cocktail, der nach mir benannt wurde: „Wonderful Marlene“. Der Bartender und Freund aus dem Frankfurter Cocoon Club, meinem früheren Arbeitgeber, hat ihn mir gewidmet, weil mich das Team dort so schätzte. Die Bestandteile waren Holunder, Rosmarin, und Champagner, das Rezept müsste ich eigentlich mal wiederbeleben.“

Berlin oder Frankfurt– wie unterscheiden sich beide Städte in Ihren Augen?
[ab Mitte der 90er Jahre bis 2010 lebte die Berlinerin Marlene in Frankfurt a.M.; Anm. d. Red]

Marlene: „Aus meiner Sicht ist Frankfurt wirklich gar nicht so „kaffig“ wie man denkt. Es ist eben kleiner und es gibt nur ein Opernhaus statt drei. Aber man kann alles machen, was man auch in Berlin machen kann. Man muss nur etwas früher dran sein. Um 3 Uhr nachts bekommt man nicht mal am Hauptbahnhof mehr eine Currywurst. Und es geht eher traditionell zu, denn man ist ja durch die vielen Banken am Geldgeschäft orientiert. Wenn man am Vormittag das Haus verlässt, besteht die Stadt aus shoppenden Ehefrauen und Männern im Anzug mit blauer oder roter Krawatte. Das ist natürlich sehr uniform. Hier in Berlin geht es legerer, individueller, spontaner zu. Trotzdem hatte ich eine sehr schöne Zeit in Frankfurt.

Als ich zurück gekommen bin nach Berlin, habe ich natürlich gemerkt, dass sich die Stadt verändert hat. Aber es ist eben anders schön. Generell bin ich keine, die alles konservieren möchte. So wie ich selbst, hat auch Berlin das Recht, sich zu verändern. Mentalität und Lebensstil waren hier in den vergangenen Jahrzehnten natürlich viel stärker im Wandel als in einer Stadt wie München. Trotzdem muss man lokalpolitisch mindestens ein Auge drauf haben. Denn rund um den Hackeschen Markt zum Beispiel, wo ich geboren bin, ist die Gentrifizierung eine Spirale, die sich runter schraubt. Die Preise steigen ruck, zuck so stark, dass es nur noch Wohnraum für Wohlhabende oder Ketten gibt. Wenn man nicht aufpasst, könnte man irgendwann in der Zukunft Zustände haben wie am Londoner Trafalgar Square.

Heute lebe ich in Friedrichshain und das hat durchaus noch ein bisschen was Anarchisches. Das sollte sich Berlin bewahren, denn das macht die Stadt einzigartig. Dieser Berliner Way of life in einem so traditionellen Land wie Deutschland.“

Tipi oder Bar jeder Vernunft – was ist das Einzigartige an beiden Häusern?

Marlene: „Meine Aufgabe ist in beiden Häusern identisch. Die Hausdame ist für das Gelingen des Abends zuständig. Von dem Moment, in dem ein Gast am Telefon oder im Internet ein Ticket kaufen möchte, bis zu dem Moment, an dem er strahlend das Haus wieder verlässt. Inklusive Gastronomie, Vorführung und allem dazwischen. Außerdem machen wir „Feinkunst“ für ein ganz besonderes Publikum.

Es gibt aber Unterschiede. Das Tipi ist jetzt 15 Jahre alt und ein Zelt-Neubau. Die Bar, eröffnet vor 25 Jahren, ist ein Altbau von 1912 und zu 80 Prozent original erhalten. Zelte dieser Art gibt es nur noch vier Mal weltweit. Es gibt zwar viele Spiegelzelte aber das sind Replikationen.

Die Bar jeder Vernunft ist heute eine etablierte Spielstätte. Aber wir haben die Kultur beibehalten, junge Künstler, die noch kein Forum haben, zu fördern. Wir müssen natürlich darauf achten, dass unsere Programme gut verkaufen können. Damit alle davon leben können. Der Künstler nicht zuletzt. Aber wenn zum Beispiel die Geschwister Pfister 6 Wochen an jeweils sechs Tagen vor ausverkauftem Haus spielen, dann füllen wir den freien Tag mit Nachwuchskünstlern, die sonst vielleicht vor 50 Leuten auftreten und die auf Festivals von uns gecastet wurden.

Das Tipi wiederum ist ja das größere Zelt mit rund 600 Sitzplätzen. Dort achten wir darauf, dass Kunst stattfindet, die für einen größeren Rahmen geeignet ist. Das Programm muss gut tragen und auch in den hinteren Reihen noch funktionieren. Höhe und Breite des Zeltes sollte man ausnutzten können.“

 

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: © XAMAX

Info


Curry 36
Filiale am Bahnhof Zoologischer Garten
Hardenbergplatz 9
10623 Berlin
Öffnungszeiten täglich 8:00 – 5:00 Uhr

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