Oliver Mommsen, Curry36

Auf eine Currywurst mit … Oliver Mommsen

Aktuell steht Oliver Mommsen im Schlosspark Theater auf der Bühne. Er spielt den Major von Tellheim in „Minna von Barnhelm“. Man kennt ihn aber vor allem aus unzähligen Filmen und Fernsehserien. Seit 16 Jahren ermittelt er beispielsweise als Kommissar im Bremer Tatort. Dabei ist der sympathische 48-Jährige zum Glück nicht auf einen Typ festgelegt. Seine Rollen reichen von romantisch und komödiantisch bis hin zu tiefsinnig und spannend. Am 7. April ist er in „Eltern allein zu Haus – Frau Busche, dem dritten Teil der ARD- Triologie über die von ihren Kindern verlassenen Eltern, zu sehen. Seine beiden eigenen Sprösslinge haben das Nest noch nicht verlassen. Mit ihnen und seiner Frau Nikola lebt der gebürtige Düsseldorfer im quirligen Kreuzberg. Wir haben uns mit ihm „um die Ecke“ auf eine Currywurst am Mehringdamm getroffen.

BLO: Mit Darm oder ohne?
Oliver Mommsen: „Kommt ganz drauf an. Mal habe ich Bock auf ‚mit‘, mal traue ich mich ‚ohne‘.“

Krimi oder Komödie?
Mommsen: „Die Mischung macht´s. Das eine wäre mir ohne das andere zu einseitig. Viele Leute meinen, Komödie sei das Einfachere, dabei ist es wahnsinnig schwierig, auf Knopfdruck wiederholbar lustig zu sein. Aber auch beim Krimi ist es nicht einfach, die Zuschauer zum Mit-Ermitteln zu verführen. Wir haben vor den Bildschirmen in Deutschland schließlich Millionen ‚Profi-Ermittler’. Insofern sind beide Genres für mich eine schöne Herausforderung.“

Ausspannen oder Ausgehen?
Mommsen: „Erst Ausgehen, dann Ausspannen! [lacht] Ich gehe gerne aus. Und zwar richtig. Aber danach heißt es dann meist erst einmal ‚Pflegestufe 3‘. Und das muss auch so sein. Viele denken, Schauspieler zu sein, heißt, auf dem roten Teppich abzuhängen, Champagner zu trinken und Groupies zu vernaschen. Aber es ist ein wahnsinnig disziplinierter Job.“

Kinder oder Kamera?
Mommsen: „Ich habe das große Glück, dass ich beides vereinen kann. Das liegt vor allem daran, dass ich Zuhause jemanden habe, der dafür einen Schritt zurück getreten ist, sprich meine Frau. Ich durfte mich austoben. Jetzt, da die Kinder langsam groß sind, müssen wir zusehen, dass wieder Gerechtigkeit eintritt. Mit dem alten Werbespruch ‚Ich habe ein kleines Familienunternehmen geleitet‘ kommst du bei der Rente nämlich nicht weit. Deshalb liegt die Priorität jetzt bei Nici.“

Bühne oder Bildschirm?
Mommsen: „Es gibt das große Gerücht, dass das Theater die wahre Kunst ist. Aber das stimmt nicht unbedingt. Wenn du am Set vor 30 Leuten stehst, hast du schließlich auch so etwas wie ein Publikum – und außerdem ziemlich Druck. ‚Das machen wir einfach nochmal‘, funktioniert nicht immer. Wenn du es dreimal nicht hinbekommst, werden die Leute ungeduldig. Die Drehtage werden immer voller und weniger. Aber auch bei dieser Frage kommt´s auf die Mischung an: Der Live-Moment im Theater, das wochenlange intensive Proben, wo man erstmal alle Fehler machen darf, dann die Vorstellungen, wo einen keiner mehr stoppen kann – das macht in Kombination mit dem Chirurgenlaser-scharfen Alles-für-den-einen-Moment-Geben beim Film einen Schauspieler glücklich.“

Liebe oder Lust?
Mommsen: „Ich bin jemand, der wahnsinnig den Moment liebt und nicht den großen Langstreckenlauf, sondern den Augenblick fassen möchte. Deswegen ist Lust ein ganz großer Katalysator für mich, der mich auf ein Projekt schubst, der meinen Alltag bestimmt. Ich darf manchmal wirklich nach Lust entscheiden, wenn ich frei habe.

Die Liebe kannst du nicht halten. Aber der Versuch, sie hinzubekommen, bringt dich erst in Bewegung. Die Vorstellung von der wahren Liebe bringt uns dazu, uns weiterzuentwickeln, den Partner zu verzaubern. Meine Frau und ich sind seit 20 Jahren zusammen. Wir sind über die Lust zusammengekommen, waren ganz lange Jahre richtig verliebt, haben Familiengründung, Nestbau und viele Gemeinsamkeiten zusammen geschaffen. Aber das ist nicht die Liebe, die man mit Sonnenuntergängen oder in Pilcher-Filmen erzählt. Wahrscheinlich schaut man sich die genau deshalb so gerne an: Weil es das in der realen Welt gar nicht gibt.“

Mommsenstraße oder Mehringdamm?
Mommsen: „Mehringdamm. Das ist mein Kiez. Ein großes Leben-und-leben-lassen. Ein Kiez, wo du immer wieder aufs Neue herausgefordert wirst, wo Situationen passieren, die du so noch nicht erlebt hast, wo Klischees, die du im Kopf hast, eingerissen werden, wo du überrascht wirst… Herr Mommsen aus der Mommsenstraße? Das wäre zu viel. Ich stand mal mit meinem Sohn – da konnte er gerade lesen – in der Mommsenstraße. Er sah das Straßenschild und fragte ‚Müssen die hier nett zu uns sein?‘“ [lacht]

Ku’damm oder Kö?
Mommsen: „An der Kö gibt es ein Theater von René Heinersdorff. Da würde ich wahnsinnig gerne mal ein Gastspiel machen. Ansonsten ist der Ku’damm mit der Komödie für mich schon zu einem kleinen zweiten Zuhause geworden. Manchmal singe ich so vor mich hin: ‚Ich hab´so Sehnsucht nach´m Kurfürstendamm…‘ Das ist Berlin. Das ist gutes altes Berlin. Und ich bin wahnsinnig glücklich, dass die Komödie mit größter Wahrscheinlichkeit doch überleben wird. Ich bin vom Herzen her echter Wahlberliner. Von der Schnauzen und Seele her bin ich Düsseldorfer. Das heißt, schnell im Kontakt, direkt, frontal. Und das passt gut nach Berlin.“

S-Bahn oder S-Klasse?
Mommsen: „Wenn ich Theater spiele, dann hole ich mir eine Monatskarte. Ich liebe (!) es, zu gucken. In der S-Bahn hast du ohne Ende Geschichten. In der S-Klasse bist du eher für dich. Das kann nachts mit ’ner coolen Mucke und Freunden ganz lustig sein, aber … S-Bahn ist eine spitzen Möglichkeit, sich durch die Stadt zu bewegen. Ansonsten bin ich ohnehin eher Fahrradfahrer. Und Fußgänger.“

Funk- oder Fernsehturm?
Mommsen: „Ganz klar: Die Achse! Die Achse finde ich spitze. Mein erster Job in Berlin war am Kaiserdamm. In der Nähe des Funkturms. Ich war neu in Berlin und hatte mir ein gebrauchtes Mofa gekauft. Das war 1990. Ich war Praktikant beim Film. Und es hieß: Hol’ mal eine Drehgenehmigung in Marzahn ab. Das bedeutet, ich durfte einmal von dem einen Turm über den anderen Turm bis nach Jottwehdeh fahren. Das war für mich ’ne Abenteuer-Reise. Zwischen diesen beiden Türmen liegt einfach die Vielfalt von Berlin, dieses große Ich-Entdecke-Dich. Das fasziniert mich nach wie vor.“


BLO: Was für ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das angenehme Gespräch.

 

Text: Michael Falk
Foto: © XAMAX

 

Info

Curry 36
Filiale Mehringdamm
Mehringdamm 36
10961 Berlin
Telefon: 030 2580088336
Öffnungszeiten täglich 9 bis 5 Uhr

Wie hat Ihnen der Beitrag gefallen? Jetzt bewerten!
Keine Kommentare

Kommentar verfassen