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Auf eine Currywurst mit … Oliver Urbanski

Er fand als Kind einer Arbeiterfamilie seinen Weg an die Schauspielschule Ernst Busch und von dort direkt ans Berliner Ensemble. Er ist seit einer gefühlten Ewigkeit der unverwechselbare Conférencier im Musical Cabaret. Und er schüttelt ganz nebenbei auch noch ausgezeichnete Arbeiten als Musiker, Sänger und Komponist aus dem Ärmel. Da bleibt wenig Zeit für ein üppiges Mahl. Wir haben Oliver Urbaniski in seinem Heimat-Kiez auf eine Currywurst eingeladen.

BLO: Mit Darm oder ohne?
Oliver Urbanski: „Lieber mit Darm, ist einfach knackiger.“

Kochen oder bekochen lassen?
Urbanski: „Schwierig. Kommt ganz drauf an, wer kocht. [lacht] Ich selbst koche total gerne – und es wird auch meistens gut. Im Gegensatz zu meiner polnisch-stämmigen Mutter mag ich lieber leichte Sachen: Fisch, Hühnchen, Gemüse, Reis, Quinoa. Meine Restaurantempfehlung ist das Al Contadino Sotto Le Stelle in der Auguststraße in Mitte. Dort wird alles ganz frisch zubereitet, mit echten Zutaten und Rezepten aus der Region Basilicata. Auch die Weinauswahl ist unglaublich gut. Der wichtigste Laden für mich persönlich – weil ich dort fast jeden zweiten Tag esse – ist Sarod’s in der Friesenstraße. Dort wird ganz traditionell thailändisch gekocht.“

Ost- oder West-Berlin?
Urbanski: „Ich bin ja gebürtiger West-Berliner und am Breslauer Platz in Friedenau aufgewachsen. Trotzdem fühle ich mich auch im Osten zu Hause. Ich war 14 als die Mauer fiel, fing also gerade an, die Stadt zu entdecken. Und auf einmal war der ganze Osten da. Wir haben dort unfassbar tolle Sachen erlebt.“

Kreuzberg gestern oder heute?
Urbanski: „Ich lebe seit 20 Jahren hier im Kiez, damals hat mir eine Freundin eine Wohnung am Chamissoplatz empfohlen, die man in der Lage zu dem Preis überhaupt nicht mehr bekommt. Natürlich hat sich der Kiez extrem verändert, es gibt viele Luxussanierungen und wahnsinnig viel Gastronomie. Auch wenn sich das anhört wie „Opa erzählt …“ – aber Ich kenne den Kiez noch, da waren hier viele Häuser total verrußt und überall lag Laminatgeruch in der Luft. Ich mag ja dieses alte, vermobbte Berlin. Auf der anderen Seite hat sich viel Positives getan. Zum Beispiel ist die Gegend viel kinderfreundlicher geworden. Und Treffpunkte wie die Markthalle gibt es immer noch. Dort kommen die Leute zusammen, ganz egal ob sie Kohle haben oder nicht.“

Fahrrad oder Auto?
Urbanski: „Ich bin zwar gerade mit dem Fahrrad da, aber das war eher der Not geschuldet. Wir haben um die Ecke geprobt und bis ich hier mit dem Auto bin und einen Parkplatz gefunden habe, dauert das eine kleine Ewigkeit. Sonst fahre ich liebend gerne Auto – auch wenn das umwelttechnisch nicht ganz korrekt ist. Einen Motorroller aus den 70ern habe ich auch noch. Eine Honda, kleines Ding, total geil in der Stadt.“

Klavier oder Singende Säge – Welches ist ihr Lieblingsinstrument?
Urbanski: „Eigentlich gibt es zu jedem meiner Instrumente eine eigene Geschichte – daher mag ich sie alle. Ein Klavier zum Beispiel konnte sich meine Familie zuerst gar nicht leisten, deshalb habe ich mit Saxophon angefangen und das auch richtig gelernt. Klavierspielen brachte ich mir dann später weitgehend selbst bei mit Hilfe eines Freundes, der Jazzpianist ist. Die Singende Säge habe ich mir – für ein Projekt bei den Ruhrfestspielen – von einem unfassbar begabten Geiger aus dem Cabaret-Ensemble zeigen lassen. Man verwendet dafür übrigens keine Säge aus dem Baumarkt, sondern extra angefertigte Stücke. Die sehen aus wie Fuchsschwänze in riesengroß und lassen sich mit einem guten Bogen recht leicht spielen.“

Berliner Ensemble oder Tipi – welches ist Ihre liebste Berliner Bühne?
Urbanski: „Das BE war natürlich mein erstes Theater, an dem ich engagiert war. Gestern erst habe ich eine Umkleiderin aus dem alten Team getroffen in der Bergmannstraße. Sie meinte gleich: „Ach Mensch, bist du schmal geworden!“ [lacht] Man bleibt also irgendwie immer Teil der Familie. Auf der anderen Seite sind das Tipi und das Cabaret-Ensemble mittlerweile wie ein Zuhause für mich geworden. Zusammen haben wir schon überall gespielt wo man sich nur hinstellen kann. Als Zuschauer bin ich am liebsten in der Schaubühne. Weil ich es dort einfach immer interessant finde.“

Wer Oliver Urbaniski live erleben möchte, hat dazu bei der Neuauflage von „Arsen und Spitzenhäubchen“ im kommenden Frühjahr im Renaissance Theater die Gelegenheit. Außerdem ist Urbanski in der amerikanisch-polnischen Koproduktion Music War and Love zu sehen, die vorraussichtlich im kommenden halben Jahr in den Kinos startet.

 

 

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: © XAMAX

 

Info

Curry 36 
Filiale Mehringdamm
Mehringdamm 36
10961 Berlin-Kreuzberg
Telefon: 030 25800 88336
Öffnungszeiten täglich 9 bis 5 Uhr

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