Auf eine Currywurst mit … Sigrid Nikutta

Auch wenn man sie vorher nicht gegoogelt hat – Sigrid Evelyn Nikutta erkennt man sofort. Schließlich trotzt sie dem nasskalten Berliner Winter mit einem Halstuch in U-Bahnsitz-Optik. Wenn es eine tragen kann, dann sie.  Die gebürtige Ostwestfälin ist seit 2010 BVG-Chefin – und hat sich seitdem in der Hauptstadt einen Namen gemacht. Als Karrierefrau mit Durchsetzungsvermögen, die beweist, dass man gleichzeitig auch 5-fache Mutter sein kann. Unseren Platz im engen Terminkalender ergatterten wir mit etwas Glück: Wer schon in morgendlichen Meetings gerne mal ein Würstchen verspeist, schreckt vormittags auch nicht vor einer Currywurst zurück.

BLO: Mit Darm oder ohne?

Sigrid Nikutta: „Ich esse gerne beides, je nachdem ob ich meinen Ostwestfalen-Tag habe – da isst man sie mit Darm – oder meinen Berlin-Ost-Tag. Da isst man sie natürlich ohne. In Westfalen ist Currywurst zwar auch bekannt, aber so richtig schätzen gelernt habe ich sie im Ruhrgebiet, wo ich länger gelebt und gearbeitet habe. Dort ist die Currywurst auch ein Nationalgericht wie hier in Berlin. Hier esse ich sie aber noch ein bisschen lieber, weil sie etwas schärfer ist.“

Kochen oder bekochen lassen?

Nikutta: „Ich backe extrem gerne, aber kochen ist nicht meine Stärke. Ich habe das Glück, dass das die Leidenschaft meines Mannes ist. Wir ergänzen uns da perfekt: Er ist derjenige der immer kocht; ich bin Profi vor allem in Bezug auf Quarkkuchen. Damit mache ich ganz viel. Mein Mann ist besonders stolz auf seine Outdoor-Küche. Sein Grill ist sein Ein und Alles. Ob Sommer-Grillen oder Winter-Grillen – wir sind draußen bei jedem Wetter. Das macht auch bei Kälte totalen Spaß. Dick eingepackt und mit Glühwein dazu.“

Ost- oder West-Berlin?

Nikutta: „Vor meinem Start bei der BVG hatte ich auch schon Zeit in Berlin verbracht, damals eher in Charlottenburg. Heute wohne ich in Marzahn-Hellersdorf. Viele denken ja, das wäre weit ab vom Schuss, aber man braucht nur eine Viertelstunde vom Alex mit der S-Bahn. Als ich 2010 hergezogen bin, habe ich mich bewusst eher in den Ostteil der Stadt orientiert und ganz wertfrei geguckt, wo es uns gut gefällt. Unweit vom Kienberg fanden wir es besonders schön und grün. Außerdem dachte ich mir, im Osten ist vielleicht auch die Kinderbetreuung nochmal ein bisschen besser. Und die finde ich tatsächlich grandios. Ich weiß jetzt nicht, ob sie besser ist als im Rest der Stadt. Aber ich finde, wir haben damals eine sehr gute Wahl getroffen.“

Ostwestfalen oder Berlin – wo fühlen Sie sich zu Hause?

Nikutta: „Nach sieben Jahren und zwei Kindern, die in Berlin geboren sind, ist Berlin absolut mein Zuhause geworden. Man kommt ohnehin viel leichter an, wenn man Kinder hat. Ich könnte mir mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Berlin hat einfach eine tolle Mischung – Großstadt einerseits, aber im Kiez ist es dann wieder total kleinstädtisch.“

Herz oder Schnauze?

Nikutta: „Die Ehrlichkeit und Direktheit der Berliner finde ich unglaublich sympathisch. Die kommt mir auch sehr gelegen, weil ich vom Wesen her ähnlich bin. Man sagt direkt, was einem nicht passt. Manchmal ist es natürlich schon sehr ruppig – aber ich glaube, da ist ein bisschen auch so ein Nimbus dabei. Der Berliner ist freundlicher, als er gemeinhin äußert. [lacht|“

Bus, Straßenbahn oder U-Bahn?

Nikutta: „Es ist wirklich so: Man hat alle Kinder gleich gerne. Es gibt an jedem Verkehrsmittel etwas unglaublich Tolles. An der U-Bahn zum Beispiel die Historie. Wenn man bedenkt, dass schon 1902 die erste U-Bahn gefahren ist. Oder wenn man sich die ganzen unter Denkmalschutz stehenden Bahnhöfe und das Tunnelsystem anschaut. Das ist unglaublich faszinierend. Aber auch die Straßenbahn kann begeistern, da sehen Sie total viel von der Stadt. Gerade wenn ich eine der Neubaustrecken fahre, da geht mir jedes Mal das Herz auf. Und sagenhafte 1,2 Millionen Fahrgäste hat der Bus täglich. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas Gelbes auf der Straße sehe.

Die intensivste Beziehung habe ich mit Sicherheit zur Linie U5. Weil sie mich direkt vom Kienberg zum Alexanderplatz bringt, was ja ein originalgetreu restaurierter Bahnhof ist von Alfred Grenander. Gleichzeitig ist es eine ganz spannende Linie, deren Haltestellen im Laufe der Zeit zum Beispiel dreimal umbenannt wurden.

Generell versuche ich, auch mal im laufenden Betrieb dabei zu sein und alles von Grund auf zu verstehen. Anfangs bin ich natürlich alle Schienen einmal abgefahren. Die Buslinien, das schafft man gar nicht, das wären dann 1800 Kilometer Strecke am Stück. Bevorzugt freitags probiere ich, auch mal mitzuarbeiten in den Werkstätten oder beim morgendlichen Ablauf. Nur so bekommt man ein Gefühl für die Leute und Aufgaben. Abgesehen von den Fahrern muss sich ja permanent um Instandhaltung, Technik, Gleise, Stromleitungen, Bahnhöfe usw. gekümmert werden. Rund 14.000 Beschäftigte arbeiten direkt für die BVG, aber mit allen, die da dran hängen, ist die Zahl bestimmt dreimal so hoch.“

Kind UND Karriere – wie bekommt man beides unter einen Hut?

Nikutta: „Nicht so viel Schlaf und große Disziplin in den Dingen. Sie dürfen mich nach nichts fragen, was mit Fernsehen zu tun hat. Ansonsten ist in meinem Leben alles eher eine große Vermischung von Arbeit und Privatleben. In meinem Job muss man einfach rund um die Uhr erreichbar sein, der Betrieb läuft ja auch rund um die Uhr.

Weihnachten wird bei uns trotzdem ganz klassisch gefeiert. Richtig mit Familie, gutem Essen, in die Kirche gehen und Festtags-Essen – natürlich vom Mann gekocht. Außerdem haben wir einen Riesenbaum. Keinen durch-designten, sondern bunt geschmückt von den Kindern mit allen Bastelsachen des vergangenen Jahres. [lacht].“

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: © XAMAX

 

Info

Curry 36 
Filiale am Bahnhof Zoologischer Garten
Hardenbergplatz 9
10623 Berlin
Telefon 030 31992992
Öffnungszeiten täglich 9 bis 5 Uhr

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