Begegnungszone Maaßenstraße

Berlin bleibt Berlin. Oder?

Was unterscheidet eine Metropole von einer Kleinstadt? Bevölkerungsdichte? Vielfalt? Geschwindigkeit? Berlin ist ein Paradebeispiel für all das, was eine Großstadt ausmacht, wofür man sie liebt und manchmal auch verflucht. Genau deshalb ziehen Jahr für Jahr Abertausende hierher. Sie entfliehen ihren Dörfern und der Provinzialität. Und dann? Dann wundern Sie sich, dass es hier laut ist, viele Autos fahren und Hunde ihre Notdurft an den wenigen Stadtbäumen verrichten. So geht das nicht! Deshalb werden Clubs aus den Kiezen geklagt, Landbäckereien eröffnet und Straßen „beruhigt“. Hier soll es nicht um die Frage gehen, wieso die Idylle-Fetischisten nicht einfach wieder zurück ziehen, sondern darum, wie die Beruhigungsmaßnahmen eine Stadt verändern.

Besser oder besser nicht?

begegnet-sindEin hervorragendes Beispiel für solch eine Transformation ist die Maaßenstraße in Berlin-Schöneberg. Hier, zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz, präsentiert sich Anwohnern und Passanten eine sogenannte „Begegnungszone“: Verengte Fahrbahn, verbreiterter Gehweg, ein paar (im Sommer glühend heiße) Bänke, auf denen nur selten jemand sitzt. Wieso auch? Schließlich gibt es dafür rundherum unzählige Restaurants, Bars, Imbisse und Straßencafés. Und auch auf dem Winterfeldtplatz selbst kann man sich, wenn man möchte, auf Bänken unter den Bäumen an der St. Matthias-Kirche ganz gemütlich „begegnen“.

Arm, aber nicht sexy

Für eine Million Euro, die man in die Planung und Umsetzung des Maaßenstraßen-Umbaus investiert hat, bekommen Berliner und Touristen weit mehr als nur eine Begegnungszone: weniger Parkplätze, mehr Stau, weniger Umsatz für die umliegenden Geschäfte und definitiv mehr Kopfschütteln. Denn was hier realisiert wurde, stößt bei vielen auf Unverständnis und Gegenwehr. So viel Geld hätte anderen Ecken Berlins besser getan. Mittlerweile wird schon über einen Rückbau diskutiert. Trotzdem planen die Stadtentwickler solche Begegnungszonen auch für die Kreuzberger Bergmannstraße und rund um den Checkpoint Charlie in Mitte. Es bleibt spannend, wie sich diese Vorhaben entwickeln.

Gestalten und genießen

Bevor ganz Berlin im verkehrsberuhigten, eingezäunten und glattgebügelten Einheitsbrei verschwindet, sollte man sich doch lieber öfter vor Augen führen, warum diese Stadt so einmalig ist: wild, frei, bunt und (vor-)laut. Es gibt unendlich viele Gründe, Berlin zu lieben. Berlin ist eben nicht Mannheim, München oder Magdeburg. Berlin ist Berlin. Machen Sie das Beste draus. Genießen Sie die Urbanität.

Text, Fotos: Michael Falk

Info

Mehr zu den Berliner Begegnungszonen hier.

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