Serkan Cetinkaya

Berliner Schauspieltalent mit Herz und Schnauze

Vielleicht kennt (noch) nicht jeder seinen Namen, aber gesehen haben, dürften ihn die meisten schon. Der gebürtige Berliner Serkan Cetinkaya startete seine Schauspielkarriere als „Tiger – Die Kralle von Kreuzberg“. Nach beachtlichem Erfolg im Internet folgte mit der „Süper Tiger Show“ ein eigenes Comedy-Late-Night-Format im Fernsehen (ZDFneo). Von da an übernahm der witzig charmante Berliner mit türkischen Wurzeln verschiedene Rollen in TV-Serien und Kinofilmen. In „Männerhort“ spielte er neben Elyas M`Barek, Detlev Buck und Christoph Maria Herbst die vierte männliche Hauptrolle. Eins ist sicher – das wird nicht der letzte große Auftritt gewesen sein. Wir haben den sympathischen 42-jährigen für ein Interview getroffen.

BLO: Herr Cetinkaya, Ihre bisherigen Rollen waren eher echte „Typen“ als 08/15. Wo haben Sie so spielen gelernt?

serkan-cetinkaya-portrait-anzugCetinkaya: „Die wichtigste Schauspiel-Schule war die Strasse im Kiez: Da tut man ja immer so als wäre man wer. Und das habe ich von meinem Cousin Ali gelernt. Der fuhr einen schwarzen BMW und trug immer Krawatte. Die Leute im Kiez dachten, er arbeitet in einer Bank oder so. Sein Beifahrersitz war immer mit ’ner heißen Lady besetzt. Es zählt eben, was die Leute denken, wenn sie dich sehen. Ein guter und selbstbewusster Auftritt ist alles.“

BLO: Und hat Sie solch ein Selbstbewusstsein auch zum Film gebracht?

Cetinkaya: [lacht] „Eigentlich war es Frau Müller von der Arbeitsagentur. Die hat mich vermittelt.“ [lacht]

BLO: Die Arbeitsagentur? Ist die Schauspielerei für Sie denn eher ein Beruf oder eine Berufung?
Cetinkaya: „Definitiv eine Berufung. [lacht] Wer einen Beruf ausübt, muss schließlich von Montag bis Freitag zur Arbeit. Wer ihn als Berufung empfindet, für den ist es immer Sonntag. Klar muss man als Schauspieler aber auch arbeiten. Beim Auswendiglernen von Texten zum Beispiel. Das fällt mir zum Glück aber nicht allzu schwer. Darin war ich schon als Kind gut. Und irgendwie ist es auch ein bisschen wie in der Schule: Während die Anderen draussen „spielen“, sitzt du am Schreibtisch und paukst die Zeilen. Aber das ist nun mal die Grundlage. Das wahre Spielen fängt erst an, wenn du nicht mehr über den Text nachdenkst. Es ist wie in der Fahrschule: Beherrschst du das Schalten und Gas geben aus dem Effeff, erkennst du auch rechtzeitig das 30er-Schild. Erst dann macht das Autofahren Spass, weil du deine Umgebung wahrnimmst und anfängst die Fahrt zu genießen.“

BLO: Was haben Sie denn bei Ihrer bisherigen „Autofahrt“ am meisten genossen?

Cetinkaya: [überlegt kurz] „Ich glaube das war die Begegnung mit Christoph Maria Herbst. Ein wunderbarer Mensch und Kollege. Beim Dreh für „Männerhort“ – am dritten Drehtag – stand ich am Cateringbus als er plötzlich zu mir kam und sagte, dass er mein Spiel gut findet. Diesen tollen Moment vergesse ich nie. Nicht wegen des Komplimentes, sondern weil es von Christoph Maria Herbst kam. Ich halte ihn für einen der vielseitigsten Schauspieler, die wir in Deutschland haben. In ihm steckt unglaublich viel szenisches Gefühl und enormer Witz. Damit hat er uns alle am Set immer köstlich unterhalten. Ich fände es toll, ihn als deutschen Bösewicht in einem James Bond Film zu sehen – mit vollen, Heino-blonden Haaren und einer fiesen Narbe im Gesicht wie er die Weltherrschaft an sich reißen will …“

BLO: Interessante Vorstellung. In welche Rolle würden Sie selbst gerne einmal schlüpfen?

Cetinkaya: „Wenn es so etwas wie „Suits“ in Deutschland geben würde, wäre ich gern dabei. Als  eine Art „Harvey Specter“. Klar müsste ich noch etwas abnehmen für die ultracoolen Slimfit-Designer-Anzüge. [lacht] „Und die würde ich dann nach Drehende zum Vorzugspreis von der Produktion abkaufen. Das ist übrigens einer der Vorzüge, die man in dem Beruf hat. Ich empfinde es aber generell als großes Privileg, als Schauspieler zu arbeiten und ein noch größeres Privileg, davon gut leben zu können. Das ist heutzutage nicht immer leicht.“

BLO: Arbeit ist bekanntlich nur das halbe Leben. Wie sieht es privat bei Ihnen aus?

serkan-cetinkaya-portraitCetinkaya: „Ich bin frisch gebackener Vater. Unser kleiner Sohn hält uns ganz schön auf Trapp.  Das erste Mal zu wickeln, war wirklich die krasseste Erfahrung. Dabei ist mir bewusst geworden, wie lebensfremd und realitätsfern unser Schulsystem ist. Alles lernt man, nur nicht das, worauf es einmal ankommt. Ich finde Babykurse gehören in den Schullehrplan. Wie man so ein Baby sauber hält und glücklich macht, ist schließlich viel wichtiger als Kurvendiskussionen mit Sinus, Cosinus oder Plusquamperfekt. Damit kommt man im echten Leben nicht weit.“

BLO: Sie sind in Berlin geboren und leben auch hier. Wie empfinden Sie die Stadt?

Cetinkaya: „Berlin ist einzigartig! Man hat hier ein Gefühl der Freiheit. Es gibt kaum eine Weltstadt, die so sehr Metropole als auch Dorf ist. Als gebürtiger West-Berliner bin ich besonders gern in Schöneberg, Wilmersdorf oder Charlottenburg unterwegs. Der Ku´damm war und ist ein ganz besonderer Ort für mich. Meine ersten Kino-Dates hatte ich als Teenie im Marmorpalast, der Filmbühne Wien, im Astor oder Royal Palast. Okay, „Top Gun“ oder „Die Hard“ waren vielleicht nicht ganz so perfekte Date-Filme aber in dem Alter waren die Filme wichtiger als die Dates. [lacht] Ich verstehe Leute nicht, die nach Berlin kommen und nicht auf dem Ku´damm oder am Savignyplatz waren. Da sage ich ’tut mir escht leid wa, aber dit wirkliche Berlin haste nisch jesehen, du Flitzpiepe!’. Es gibt wenige Städte auf der Welt, wo man sich vorstellen könnte, für immer dort zu leben. Berlin ist so eine Stadt.“

BLO: Das ist ein Schlusswort, das wir gerne so stehen lassen. Vielen Dank für das nette Interview.

Text: Michael Falk
Fotos: © Mirjam Knickriem/serkancetinkaya.de

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