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Das Spandauer Nadelöhr

Das Spandauer Nadelöhr

Eigentlich sollten die Baumaßnahmen schon 2015 abgeschlossen sein, doch noch ziehen sich die Arbeiten an der Freybrücke zwischen Spandau und Westend in die Länge. Zum Verdruss vieler Pendler. Über 60.000 von ihnen zwängen sich täglich durch das Nadelöhr über der Havel – ein Teilstück der am stärksten befahrenen Verbindung zwischen dem westlichen Stadtrand und dem Stadtzentrum. Für alle, die hier gerade mal wieder im Stau stehen, werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte des vielbefahrenen Bauwerks.

Bereits seit 1910 existiert die Straßenbrücke zwischen den damals noch unabhängigen Städten Charlottenburg und Spandau. Obwohl der Bau ursprünglich für militärische Zwecke errichtet worden war und eine Lücke in der Ost-West-Achse Unter den Linden, Bismarckstraße, Heerstraße und dem Truppenübungsplatz Döberitz schließen sollte, befriedigte er von Anfang an auch zivile Bedürfnisse. Denn Berliner und Spandauer genossen die bequeme neue Verbindung, die zunächst den Namen Havelbrücke trug und in die Ausflugsgebiete Grunewald und Pichelswerder führte, gleichermaßen. Vor allem die Spandauer Fluss-Insel erfreute sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit bei allen Großstädtern, die am Wasser ausspannen wollten.

Für den Bau der 174 Meter langen Havelbrücke und der benachbarten Stößenseebrücke wurden insgesamt 2,54 Millionen Mark ausgegeben. Verantwortlich zeichnete sich Bauingenieur Karl Bernhard. Er hatte das Konzept eines „Fachwerkbogens mit Zugband und abgehängtem Mittelfeld, der mit Eisenträgern unter den Seitengewölben die Tragglieder der Brücke bildet“, bereits an der Treskowbrücke praktiziert und entwickelte es bei der Havelbrücke weiter. Vermutlich, um sowjetische Truppen am Vordringen zu hindern, wurde die zu Ehren des Heerstraßen-Erbauers Adolf Frey umbenannte Brücke 1945 gesprengt. Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1948 und 1951 unter Verwendung der Originalbauteile.

Mit denen ist es nun allerdings vorbei. Zwischen Dezember 2014 und März 2015 wurde der alte, ursprünglich denkmalgeschützte Bau demontiert, eine Behelfsbrücke geschaffen und mit dem Bau der neuen Freybrücke begonnen. Der Schritt war notwendig geworden, da erhebliche Korrosionsschäden an der wichtigen Havelquerung festgestellt worden waren. Vollständig abgeschlossen sind die Arbeiten an der neuen Brücke wohl erst 2017. Ein wenig Geduld müssen Autofahrer also weiterhin mitbringen.

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: (c) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

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