Kauz

Ein Zuhause für den Kauz

Naturschützer haben vor knapp 15 Jahren im Bezirk Reinickendorf mehrere Waldkauz-Nistkästen aufgehängt. Inzwischen ergibt sich ein interessanter Spaziergang mit vielen Stationen, an denen die seltenen Vögel gesichtet werden können.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat stellvertretend für alle Eulenarten für 2017 den Waldkauz zum Vogel des Jahres gewählt. Mit ihm soll für den Erhalt alter Bäume im Wald oder in Parks geworben werden.

Eine Webcam und der Blick direkt ins Nest von Familie Waldkauz. Gespannt wurde die Eiablage Anfang März beobachtet und wie nach etwa einem Monat das erste Junge schlüpfte. Dass man Tag und Nacht Einblick gewährt bekam in die Wohnung eines Vogels, so etwas kannte man bislang nur von Störchen, nun also auch bei den Käuzen. In Berlin machte das eine regionale Naturschutzgruppe aus Berlin-Reinickendorf möglich. Weil ein Sturm 2002 viele der natürlichen Brutmöglichkeiten zerstört hatte, entschloss man sich im Norden Berlins, den Käuzen durch künstliche Nistkästen zu helfen. Mitglieder der Bezirksgruppe des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) installierten in den letzten 15 Jahren insgesamt 46 Nisthilfen, verteilt über den gesamten Bezirk. Allein in Hermsdorf und Frohnau hängt die Hälfte der Vogelunterkünfte in Parks, auf Friedhöfen, in Wassernähe. Auch am Tegeler Fließ bot sich eine Reihe von Standorten an. Die Kästen sind in der Regel acht bis zehn Meter hoch in den Bäumen angebracht. Innen haben sie etwa einen Raumdurchmesser von 25 Zentimetern. Das Einflugloch misst 150 Millimeter. So ein Kauz hat schließlich eine stattliche Größe. Die Behausungen sind dabei bewusst einer na­türlichen Baumhöhle mit Ast­loch nachempfunden. Wetterbedingt sind sie meist nach Südost ausgerichtet.

„Erfahrungsgemäß nehmen die Käuze unsere Hilfe gern an“, so Hans-Jürgen Stork von der Gruppe. Die Jungeulen schlüpfen entsprechend dem Legeabstand der Eier im Abstand von zwei Tagen. Dadurch sind später durchaus Unterschiede in der Entwicklung der jungen Vögel zu verzeichnen. „Wanderer in Lübars oder am Hermsdorfer Waldsee haben sich immer an den aus den Kästen schauenden Eulen gefreut. Die im Frühjahr in den benachbarten Bäumen sitzenden Jungkäuze zeugen vom guten Bruterfolg“, sagt Hans-Jürgen Stork. Etwa drei junge Käuze werden von den Eltern gefüttert und großgezogen. Im Alter von 50 Tagen fliegen sie schon ihre ersten Runden. Wenn die Familienzeit vorbei ist, müssen die Kästen gesäubert und repariert werden, um sie für die nächste Waldkauzsaison vorzubereiten. Die Naturschützer erfahren dann auch etwas über den Speiseplan der Käuze. So wurden Reste von Beutetieren gefunden. Neben Fröschen und Mäusen auch viele Wanderratten. Die Käuze nehmen, was ihnen vor die Krallen kommt.

 

Text: Karen Schröder
Foto: © Nabu Berlin
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