Eine musikalische Brücke der Kulturen im Herzen Berlins.

850 Quadratmeter Konzertsaal und keiner der 682 Zuhörer sitzt mehr als vierzehn Meter vom Dirigenten entfernt? Möglich macht es die einzigartige Architektur des neu eröffneten Pierre Boulez Saales in Berlin Mitte.

„Der Pierre Boulez Saal wird seine eigene Persönlichkeit haben.“
(Daniel Barenboim)

RaumgestaltungDie Raumgestaltung des Saales erzeugt nicht nur eine ungeahnt intime Atmosphäre, sondern verleiht dem Raum mit ihren zwei axial verschobenen Ellipsen eine Art Schwerelosigkeit. Die Musiker sitzen in der Mitte des Raumes, um sie kreisförmig herum das Publikum. Das entspricht voll und ganz dem Sinne des namensgebenden französischen Komponisten Pierre Boulez. Er verabscheute Räume, in denen das Orchester wie „Schuhschachteln“ abgestellt wirkte.

Diese Gefahr besteht im gleichnamigen Musiksaal ganz bestimmt nicht. Entworfen hat ihn der amerikanische Architekt Frank Gehry, der dafür – genauso wie der verantwortliche Star-Akustiker Yassuhisa Toyota – großzügig auf sein Honorar verzichtete. Der Pierre Boulez Saal ist schließlich nicht irgendein Konzertsaal, sondern ein ganz besonderes Projekt, das zusammen mit der dazugehörigen Barenboim-Said Akademie eine Brücke zwischen verschiedenen Weltanschauungen und Kulturen sein soll.

Der argentinisch-israelische Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, der die Akademie selbst initiiert hat, gründete 1999 zusammen mit dem palästinensischstämmigen Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, in dem israelische und palästinensische Künstler bis heute gemeinsam musizieren. In dieser Tradition und Geist sollen auch an der Akademie bis zu 100 Stipendiaten aus dem Nahen Osten miteinander studieren und vereint Musik machen.

FassadeSowohl die Akademie als auch der Musiksaal befinden sich in dem ehemaligen Magazin der Staatsoper – also direkt im Herzen der Hauptstadt. Das architektonische Ensemble ist „ein Teil der Stadt, weil es das Innere von diesem alten Gebäude ist. Es hat Geschichte und Erinnerungen und daran gibt es etwas, das mir sehr gefällt.“, sagte Architekt Gehry über das Projekt.

Und Gefallen fand auch das Eröffnungskonzert am 4. März 2017, das Daniel Barenboim in Anwesenheit des Bundespräsidenten und zahlreicher begeisterter Gäste höchst persönlich dirigierte. Wer dieses Spektakel verpasst hat, bekommt in verschiedenen Veranstaltungen die Möglichkeit, dem Meister und seinen Musikern zu lauschen. Neben all der beeindruckenden Architektur ist schließlich vor allem auch das einen Besuch des Pierre Boulez Saales wert.

 

Text: Michael Falk
Foto: © Pressematerial Pierre Boulez Saal

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