Hey, hey Vicky…

Viktoria-Luise-Platz – das klingt fast so schön, wie es aussieht. Aber auch nur fast. Denn welcher Name könnte wiedergeben, wie sich das Gold der Abendsonne im glitzernden Wasser des Springbrunnens bricht? Er sprudelt mit einer Lebendigkeit, die den ganzen Kiez ausmacht.

viktoria-luiseHier, in Schöneberg, geht es gutbürgerlich zu, fast schon vornehm, aber keineswegs langweilig oder gar spießig, wie man im ersten Augenblick vielleicht vermutet. Freilich wohnen in den herrschaftlichen Gründerzeitbauten rund um den Platz, die, die es sich leisten können. Aber auf dem perfekt gepflegten Grün der Wiesen rund um den Brunnen liegen von Frühjahr bis Herbst Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und jeder Statur. Hier wird bis in die späten Abendstunden miteinander gepicknickt, gespielt und geflirtet. Hin und wieder kommt das Ordnungsamt vorbei und versucht, das bunte Treiben mit Hinweis auf die Verbotsschilder zu unterbinden. Bislang zum Glück vergeblich. Denn hier herrscht eine Atmosphäre, die der Franzose sicher mit dem „savoir vivre“ und der Italiener mit „la dolce vita“ umschreiben würde. Hier breiten Familien ihr Sonntagsessen auf der Decke aus, hier präsentieren Studenten des umliegenden Lettevereins ihre erste eigene Modekollektion, hier lernen aber auch Hundewelpen, sich zum ersten Mal zu beweisen. Das Miteinander ist bunt und friedlich. Selbst wenn Herren in enger Lederhose auf ihrem Weg in den benachbarten Regenbogenkiez über den Platz schlendern, ist das keinen Aufreger wert. Hier gilt: leben und leben lassen. Und leben kann man am „Vicky“ wirklich gut:

Etliche Restaurants säumen den Platz, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch unbebautes Land war. Außerdem Arztpraxen, Apotheken, Blumenläden und Bäcker, ein stadtbekanntes Fotogeschäft und zwei Supermärkte, nur einen Steinwurf entfernt. Wer es etwas exklusiver mag, braucht keine fünf Gehminuten zum KaDeWe. Doch schöner als am Viktoria-Luise-Platz ist es dort auch nicht. Garantiert! Wer dennoch weiterziehen will, nimmt die Stufen zwischen den Säulen der Kolonaden abwärts: Die kürzeste U-Bahn-Linie der Stadt, U4, fährt von hier zum Innsbrucker- oder zum Nollendorfplatz. Doch egal, wohin der Weg führt, wer einmal am „Vicky“ war, will immer wieder hierher zurück.

Text, Fotos: Michael Falk

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