Sebastian Stielke, Hörbücher

Hör sich das einer an!

Ob Zuhause in gemütlicher Atmosphäre, auf einer längeren Auto- oder Flugreise oder Stück für Stück auf dem täglichen Weg zur Arbeit – Hörbücher erfreuen sich großer Beliebtheit. Wer sonst nicht zum Lesen kommt – oder keine Lust darauf hat – kann sich die Geschichten auch einfach anhören. Dabei ist ein Hörbuch meist viel mehr als das bloße Vorlesen eines Buches. Mit viel Gefühl und noch mehr Spannung wird die Story dem Zuhörer „serviert“. Das erfordert neben einer angenehmen Stimme auch dramaturgisches Geschick und darstellerisches Talent. Kein Wunder also, dass die meisten Hörbücher von Schauspielern eingesprochen werden.

Einer von ihnen ist Sebastian Stielke. Er stand schon während seiner Schulzeit auf der Bühne. Mit seinem Schauspielstudium an der berühmten Filmuniversität Babelsberg (ehemals Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“) machte er seine Leidenschaft auch zum Beruf. Nach dem Diplom folgten zahlreiche Engagements an verschiedenen Theatern und etliche Rollen bei Film und Fernsehen. Erst kürzlich war er in einer Episodenhauptrolle der ZDF-Krimiserie „Heldt“ oder der US-amerikanischen CIA-Serie „Berlin Station“ zu sehen. Neben der Arbeit vor der Kamera ist Sebastian Stielke aber immer wieder auch am Mikrofon zu finden.

Dann steht er beispielsweise für die Hörbuchmanufaktur Berlin in Grunewald im Studio. Dort verleiht er Psychothrillern und Krimis bis hin zu Romanzen seine Stimme. Wir haben uns mit ihm getroffen und über das Thema Hörbuch geplaudert:

BLO: Herr Stielke, was macht für Sie die Arbeit an einem Hörspiel so spannend, dass Sie als Schauspieler dafür auf Kamera oder Applaus verzichten?

Sebastian Stielke: „Das, was wahrscheinlich jeden Schauspieler daran reizen würde: Die Möglichkeit, in verschiedene Figuren zu schlüpfen. Neben den Erzähler-Texten kann ich beim Hörspiel sogar Rollen spielen, für die ich vor der Kamera nie besetzt würde. Vom 20-jährigen Mädchen bis zum 80-jährigen Mecker-Opa, von der toughen New Yorker Rechtsanwältin bis zum wahnsinnigen Psychopathen ist alles dabei. Das ist unglaublich abwechslungsreich.“

Ist das nicht auch unglaublich viel Arbeit?

Stielke: „Aber eine, die viel Spaß macht! Im Studio herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Ich mag das konzentrierte und professionelle Arbeiten. Und wenn einen dennoch mal ein Versprecher oder ein Lacher aus dem Konzept bringen, sorgt das für heitere Stimmung im Team.“

Das klingt verlockend. Kann eigentlich jeder Hörspielsprecher werden?

Stielke: „Jeder sicher nicht, aber mit etwas Talent und Übung ist das sicher auch für den einen oder anderen Quereinsteiger möglich. Mir hat die Sprecherausbildung während des 4-jährigen Schauspielstudiums sehr geholfen. Immerhin sitzt man allein vier bis fünf Tage von morgens bis abends im Tonstudio, um einen Roman von 300 Seiten einzusprechen. Das ist eine intensive Zeit.“

Und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Stielke: „Natürlich muss ich das Buch vorher mindestens einmal komplett durchgelesen haben. [lacht] Danach sieht es in der Regel aus wie ein Kandinsky-Kunstwerk – mit vielen Strichen, Punkten, Pfeilen, Notizen. So mache ich mir eine Art Notizen, die mir beim Einlesen helfen: Dramaturgische Bögen, Aussprache und verschiedene Stimmen – vorm Mikrophon hat man keine Zeit, lange zu überlegen. Wenn das Rotlicht angeht, herrscht höchste Konzentration. Deshalb arbeite ich mich vorher in die Geschichte und ihre einzelnen Figuren ein.“

Lassen Sie sich bei Ihren Rollen auch von echten Menschen inspirieren?

Stielke: „Das kommt schon vor. In der S7 nach Potsdam habe ich letztens einen älteren Herrn gehört, den ich gleich am nächsten Tag bei den Aufnahmen zum nächsten Buch sprachlich umgesetzt habe. In der Schatzkammer der Hohenzollern im Schloss Charlottenburg hat mir einmal die resolute Stimme einer amerikanischen Journalistin für die Rolle einer Rechtsanwältin in dem Hörbuch ‚PUPPENBRAUT‘ geholfen.“

Sind Sie auch privat ein Hörspiel-Fan?

Stielke: „Absolut! Hörbücher sind ein tolles Medium, weil man sich – anders als bei Film und Fernsehen – seine eigenen Vorstellungen machen kann. Jeder sieht bei gut geschriebenen und gut gesprochenen Büchern seine eigenen Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Ich höre sie am liebsten auf Bahnfahrten, in der Badewanne oder zum Einschlafen im Bett…“

Vielen Dank für den spannenden Einblick und das sympathische Interview.

Text: Michael Falk
Fotos: ©  Sebastian Stielke (Titel), © Adrian Schätz (Porträt)

 

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