„Ich fühle mich überhaupt nicht sicher in der digitalen Welt!“

Am 17. März 2017 startete bei Amazon Prime die erste deutsche Amazon-Original Serie You Are Wanted von und mit Matthias Schweighöfer. Die Story: Der ahnungslose Protagonist und Familienvater Lukas Franke wird Opfer eines Hacker-Angriffs und mutiert durch diesen in Sekundenschnelle zum Staatsfeind Nr. 1. Es beginnt eine aufregende Jagd nach der Wahrheit und den Drahtziehern. Als weibliche Unterstützung Frankes besetzt Karoline Herfurth die Rolle der politisch aktiven Journalistin und Bloggerin Lena Arandt. Wir haben die sympathische Berlinerin für ein Interview im Waldorf Astoria getroffen.

BLO: Was hat Sie an Ihrer Rolle und dem Drehbuch von You Are Wanted überzeugt?
Karoline Herfurth: „Ich finde es natürlich spannend, an der ersten Amazon-Serie Deutschlands mitzuwirken. Das hat mich gereizt, muss ich gestehen. Genauso wie die Zusammenarbeit mit Matthias, unter anderem als Regisseur. Ich kenne ihn jetzt seit 17 Jahren, wir verstehen uns wirklich sehr gut, sind befreundet und als Kollegen begegnen wir uns ständig, aber nie in dieser Konstellation. Die Serie hat es mir außerdem ermöglicht, ein neues Genre auszuprobieren, das zu spielen ich im deutschen Kino seltener die Gelegenheit habe. Dass ich diese Möglichkeit mit dieser neuen außergewöhnlichen Rolle bekommen habe, finde ich toll. Daher war es für mich klar, dass ich es machen will.“

Was macht die Serie so besonders, warum sollte der Zuschauer sie nicht verpassen?
Herfurth: „Naja einfach, weil es doof wäre die erste deutsche Amazon-Serie zu verpassen. [lacht] Ich finde das Thema extrem beklemmend und sehr aktuell. Dazu ist die Geschichte sehr spannend erzählt. Ich glaube das Gesamtpaket macht einfach Spaß und es geht jeden etwas an.“

Wie sicher fühlen Sie sich persönlich in der digitalen Welt?
Herfurth: „Ich fühle mich überhaupt nicht sicher in der digitalen Welt und das ist mir nochmal sehr klar geworden bei der Vorbereitung auf diese Serie. Wie sehr das Internet unser Leben verändert und bereits verändert hat, ist mir speziell im letzten Jahr aufgefallen. In Vorbereitung auf die Serie habe ich gezielt Filme geguckt, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Die Recherche hat sich dann auch auf mein eigenes Leben ausgewirkt. Ich habe zum Beispiel angefangen alle Internet-Konten – Leichen, die man so rumliegen hat – aufzuspüren und zu löschen, Passwörter zu ändern. Ich würde niemals eine Cloud benutzen, alle privaten Fotos liegen nur auf Festplatten, nicht auf meinem Computer, nicht auf meinem Handy.

Sicher fühle ich mich trotzdem nicht und ob Anbieter meine Daten speichern oder nicht, das übersteigt meinen Horizont und da kann ich einfach nichts gegen machen – zumindest denke ich das. Dass die digitale Entwicklung immer schneller ist als die politische und die rechtliche, ist natürlich eine große gesellschaftliche Herausforderung. Aber ich setzte meine Hoffnung darauf, dass wir die meistern.“

Für Sie als Berlinerin war der Drehort ja perfekt gewählt. An welchen Locations wurde in der Stadt gedreht und wo haben Ihnen die Dreharbeiten besonderen Spaß gemacht?
Herfurth: „Dreharbeiten in Berlin finde ich generell super, weil ich mich in der Stadt total wohl fühle und nach der Arbeit einfach nach Hause fahren kann. [lacht] Außerdem war es Sommer und warm – ich habe sehr selten in meinem Leben im Sommer in Berlin gedreht.

Drehorte waren unter anderem: Unter den Linden, die Friedrichstraße, also hauptsächlich in Mitte. Auch am Teufelsberg haben wir gedreht. Ich kannte tatsächlich alle Ort schon, doch eine Location fand ich besonders cool: die Deutsche Oper. Sie ist generell eine ziemlich schicke Oper, ist mir aufgefallen.

Wenn man jünger ist, dann gefällt einem ja eher das, von dem Architekten sagen ‚Um Gottes Willen‘. Je älter man aber wird, desto mehr entwickelt man den Sinn für die Schönheit des Nüchternen. Daher ist sie mir besonders im Gedächtnis geblieben.“

Jenseits der Dreharbeiten: Welche drei Orte würden Sie jemandem, der zum ersten Mal in der Stadt ist, als erstes zeigen?
Herfurth: „Auf jeden Fall die Friedrichsbrücke und den Dom und zwar nachts im Sommer – das ist sehr romantisch. Ich liebe den Alexanderplatz, da bin ich groß geworden. Ich laufe immer sehr gerne durch Berlin, am liebsten eine Runde vom Hackeschen Markt bis zum Brandenburger Tor, über den Potsdamer Platz und dann hinten über Kreuzberg und Neukölln zurück.  Der Prenzlauer Berg ist auch noch sehr schön aber da läuft man am besten tagsüber entlang, wenn man auch in die Geschäfte gehen kann.“

Welches ist Ihre liebste Jahreszeit in Berlin und warum?
Herfurth: „Ich liebe den Frühling, einfach generell. Ich liebe ihn! Wenn dieser lange lange Winter dann endlich mal vorbei ist und alles anfängt zu blühen.“

Gibt es etwas, was sie an Berlin gar nicht mögen bzw. verbessern würden?
Herfurth: „Ich finde die Verdrängung schwierig, das ist aber ein politisches Thema. Da können ja die Berliner nichts dafür. Zum Thema Investoren oder Airbnb: Wenn man hört, wie viele Wohnungen mittlerweile vermietet oder gar nicht mehr bewohnt werden, das finde ich –gerade als Ur-Berlinerin – sehr schade, weil es tatsächlich das Stadtbild verändert. Ich hoffe, dass da auf politischer Ebene agiert wird, damit alle Berliner in allen Gegenden leben können. Und damit meine ich nicht nur die ureingesessenen Berliner. Denn ich finde es total schön, dass Berlin so eine offene Stadt mit viel Zuzug ist und möchte das auch immer so beibehalten.

Was ich ganz schlimme finde, was mich wahnsinnig gemacht und dazu geführt hat, dass ich aus dem Prenzlauer Berg weggezogen bin, sind Parkgebühren! Ich finde es unmöglich, dass meine Freunde, wenn sie mich besuchen wollen, dafür Eintritt zahlen müssen. Das ist so eine Frechheit und meiner Meinung nach schwer mit dem Grundgesetz der Bewegungsfreiheit zu vereinbaren ist. Die Parkgebühren in Berlin sollten abgeschafft werden.“

Text: Maria Liebich
Foto: Manuela Mehnert + PROMO

 

Info

You Are Wanted bei Amazon Prime 

Produzenten: Dan Maag, Matthias Schweighöfer, Marco Beckmann, Willi Geike
Regie: Matthias Schweighöfer, Bernhard Jasper

 

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