Berlin, Canicross

So sportelt Berlin: #1 Canicross

Staunende Gesichter. Eltern, die ihre Kinder zu sich rufen. Und Senioren, die lächelnd zur Seite treten. Wenn mein vierbeiniger Sportkamerad und ich am Wochenende die Krumme Lanke kreuzen, ziehen wir die Blicke auf uns. Und das liegt nicht mehr an meinem hochroten Kopf und lautem Nach-Luft-Schnappen – so wie früher, als ich noch alleine gelaufen bin. Sondern an der Art, wie wir uns gemeinsam ziemlich schnell durch den Wald zu bewegen.

Canicross kommt aus dem Zughundesport und ist ein Geländelauf, bei dem der Zweibeiner von seinem Hund zu Höchstleitungen angetrieben wird. Beide sind durch eine flexible Leine miteinander verbunden. Auf der Seite des Hundes ist sie an einem professionellen Zuggeschirr befestigt, das nicht mit einem ganz normalen Führgeschirr aus dem Zooladen verwechselt werden darf – so eines würde den Bewegungsapparat des Hundes beim Zughundesport schnell ruinieren. Der Mensch befestigt sein Ende der Leine an einem speziellen Canicross-Gürtel. Der sieht ganz ähnlich aus wie ein Klettergurt, verfügt über Beinschlaufen und sitzt nicht etwa am Rücken, sondern auf dem Hintern.

Wer den Sport mit einem ehrgeizigen Hund betreibt, weiß, warum. Mit einem schlecht sitzenden Gürtel wäre der Bandscheibenvorfall nämlich vorprogrammiert. So aber wird der Zug des Hundes genau richtig auf die Hüfte gebracht und sorgt dafür, dass sich das Laufen fast wie fliegen anfühlt. Ehrgeizige Canicrosser brauchen für den Kilometer oft nur 3 bis 4 Minuten oder sogar noch weniger. So richtig wichtig wird der Blick auf die Uhr aber erst, wenn man für eines der nationalen und internationalen Rennen trainiert.

Mein Hund Dando und ich nehmen zwar gelegentlich an solchen Rennen teil, aber für uns bleibt der Weg das Ziel. Das heißt: Mindestens zweimal pro Woche werden die Canicross-Utensilien ins Auto gepackt und wir treffen uns mit Gleichgesinnten auf eine Runde durch den Grunewald. Da es ärgerlich ist, wenn alle paar Meter nicht angeleinte Hunde in die sportlichen Vierbeiner hineinrennen, sind wir weniger im Auslaufgebiet, sondern vor allem zwischen Havel und Avus unterwegs. Irgendwann zwischen Kilometer 1 und 12 (unsere bisherige Bestweite) setzt dann ein ziemlich einzigartiges Gefühl ein, das Mensch und Hund über die Leine hinaus miteinander verbindet. Eine Mischung aus Glück, Einklang und innerer Ruhe beschreibt es wohl am besten.

 

Text, Fotos: Eve-Catherine Trieba

 

Wie hat Ihnen der Beitrag gefallen? Jetzt bewerten!
Keine Kommentare

Kommentar verfassen