Georg Preusse Curry36

Auf eine Currywurst mit … Georg Preusse

Emotionen wecken, mitreißen, neue Perspektiven wecken, all das und mehr kann ein Theaterabend mit Georg Preusse. Als Travestiekünstler brachte Preusse mit seiner Figur Mary ab Mitte der 70er Jahre neuen Schwung in weite Teile der bundesdeutschen Gesellschaft. Das Duo Mary und Gordy schaffte es von der Bühne bis ins Fernsehen und genießt bis heute Kultstatus. Doch auch solo reißt der 68-Jährige sein Publikum mit. Ob als Darsteller im Jedermann, Mackie Messer in der Dreigroschenoper oder als Papst Pius XII im Stück Der Stellvertreter – Preusse gibt seinen Figuren eine Dimension, die beim Publikum lange nachhallt. Dafür wurde er nicht nur mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sondern hat sich auch für ein Currywurst-Interview am Zoo mehr als qualifiziert.

BLO: Mit Darm oder ohne?
Georg Preusse: „Kommt immer drauf an, wie der Darm ist. Wenn der noch mit einem spricht, habe ich das nicht so gerne. [lacht] Aber hier sieht die Wurst so lecker aus in ihrem braunen Mantel – deshalb mit.“

Selbst kochen oder bekochen lassen?
Preusse: „Ich koche sehr gerne. Wenn ich essen gehe, dann muss es besser sein als bei mir zu Hause. Da bin ich dann schon kritisch. Einzige Ausnahme ist natürlich, wenn es mal schnell gehen muss. Und wenn ich in Berlin am Flughafen ankomme, dann führt mein erster Weg immer an die Currywurst-Bude. Mit guter Berliner Leber oder Königsberger Klopsen lasse ich mich hier ebenfalls gerne bekochen, ich bin da ganz rustikal.

Was ich persönlich besonders gut zubereiten kann, sind Fischgerichte. Mein Freund fängt die Fische aber auch selbst, zum Beispiel im Zürichsee oder direkt bei uns im Wildbach. Forelle, Hecht oder Saibling zum Beispiel. Das schmeckt natürlich per se viel besser, als wenn der Fisch schon eine Woche unterwegs war. Manchmal gehe ich mit zum Fischen. Aber dafür muss er zur Strafe mit mir Golf spielen gehen oder ins Theater. Wir haben da so einen Kuhhandel. [lacht]“

Sie pendeln zwischen Zürich und Berlin – wo kommen Sie auf Ihren Reisen am liebsten unter?
Preusse: „Seit wir in Berlin keine Wohnung mehr haben, wohne ich hier meistens im Hotel. Diesmal bin ich aber mit dem Wohnmobil da, da wir vorher schon unterwegs waren. Ich bin generell ein absoluter Wohnmobil-Fan. Da habe ich meine Dusche, meine Toilette, meine Tiefkühltruhe, meinen Herd, mein Bett, zwei Fernseher … Ich liebe dieses Freiheitsgefühl, irgendwo zu bleiben oder jederzeit wieder gehen zu können, ohne dass ich noch irgendwas Neues suchen muss.

Die weiteste Reise, die wir mit dem Wohnmobil gemacht haben, die war in den USA. Dort sind wir den ganzen Westen abgefahren, 22.000 Meilen. Hier in Europa waren wir schon oben am Nordkap. Weil ich als Nachtmensch mal einen Tag erleben wollte, an dem die Sonne nicht untergeht. Das Südlichste war Portugal, da sind wir über die französische Atlantikküste hin, immer am Meer lang. Am letzten Zipfel von Portugal gibt es übrigens auch einen Imbiss, der nennt sich ‚Die letzte Currywurst-Bude vor New York‘ [lacht].“

City West oder hipper Osten, wo fühlen Sie sich in Berlin zu Hause?
Preusse: „Der City West bin ich schon seit 1978 verbunden. Hier kenne ich viele Ecken und fühle mich bis heute zu Hause. Mit anderen Gegenden Berlins bin ich nicht so verwachsen. Generell finde ich, dass das frühere Berlin so ein bisschen verloren gegangen ist. Berliner zu sein ist ja keine Ortsansässigkeit, sondern ein Lebensgefühl. Früher ging man nach Berlin, weil man die Freiheit schätzte. Dieses Freiheitsbewusstsein gab es, weil man natürlich die Mauer hatte und wusste: Hier ist das zu Ende. Das war damals etwas ganz Wertvolles. Heute ist diese Freiheit selbstverständlich geworden, dabei ist sie das nicht. Genau wie nette Leute nicht selbstverständlich sind. Zum Glück scheint dieses Bewusstsein, diese Wertschätzung seit anderthalb, zwei Jahren wieder zurückzukommen. So empfinde ich das zumindest.“

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: XAMAXX

 

Info

Curry 36
Filiale am Bahnhof Zoologischer Garten
Hardenbergplatz 9
10623 Berlin
Öffnungszeiten täglich 8:00 – 5:00 Uhr

Wie hat Ihnen der Beitrag gefallen? Jetzt bewerten!
Keine Kommentare

Kommentar verfassen