Heidi Hetzer Curry36 Berlin

Auf eine Currywurst mit … Heidi Hetzer

Ihre Liebe zu Autos zählt nicht zu den einzigen Dingen, die man über Heidi Hetzer wissen sollte. Schließlich hat sich die erfolgreiche Unternehmerin und Rallye-Fahrerin früh in echten Männerdomänen durchgesetzt und umrundet weiterhin unermüdlich die Welt. Heidis Hetzers Bodenständigkeit und ihre offene Art machen die 81-jährige Autohaus-Ikone zu einem echten Berliner Urgestein. Wir haben sie auf eine Currywurst am Zoo eingeladen.

Mit Darm oder ohne?
Heidi Hetzer: „Ohne. Manchmal nehme ich aber auch mit, mir schmeckt beides.“

Kochen oder bekochen lassen?
Hetzer: „Meistens bekochen lassen. Zuhause mache ich mir ab und zu etwas Kleines aber ich bin keine große Köchin. Meine Kinder sind trotzdem immer satt geworden, das ist die Hauptsache. Ich gehe viel aus und jetzt wo ich alleine lebe – warum soll ich da für mich alleine kochen? Manchmal hole ich mir auch die Wurst von Curry 36 und nehme sie gemütlich mit nach Hause. Während meiner Weltreise habe ich mich übrigens öfter mal nach einer guten Currywurst gesehnt.“

Ku’damm oder unter den Linden – wo unternehmen Sie lieber eine Spritztour?
Hetzer: „Am Ku’damm! Der ist für mich immer noch die einzig wahre Prachtstraße. Die Friedrichstraße ist zu schmal und unter den Linden gibts nicht so viel zu gucken. Außerdem sind da viele Baustellen. Der Ku’damm ist ein echter Boulevard und alles andere wird nie daran kommen.“

Zufall oder Schicksal – wie begann Ihre Karriere als Autohaus-Besitzerin?
Hetzer: „1919 hat mein Vater das Autohaus gegründet und so begann alles. Ich bin dann automatisch mit eingestiegen. Mein „Glück“ war, dass ich keinen Bruder hatte, sonst wäre ja alles an ihn übergegangen. Es gab nur uns zwei Mädchen und ich habe mich eben mehr für das Geschäft interessiert. Mit 18 habe ich Kfz-Handwerker gelernt und hatte dann zwei Jahre eine Autovermietung am Wedding, danach bin dann nach Amerika gegangen.

Doch dann sind zuerst meine Schwester und dann mein Vater gestorben – also blieb mir gar nichts anderes übrig. Ich musste das Geschäft übernehmen sonst wäre es kaputt gegangen. Ich konnte doch die Mitarbeiter nicht einfach im Regen stehen lassen! Damals war es auch einfach eine Selbstverständlichkeit, das elterliche Familienunternehmen weiterzuführen. Und ich war ja auch ausgebildet. Ich konnte nichts anderes als Auto. [lacht] Und so bin ich da reingerutscht, in diese Rolle als Frau, wo natürlich ringsum keine Frauen waren.

Ich hatte nie einen Geschäftsführer, sondern habe immer alles alleine entschieden und verantwortet. In der Männerwelt haben mich zunächst immer alle schief angeguckt. Aber dann erkannten sie: ‚Och, guck mal, die versteht ja was!‘ Meinen Berliner Jargon mochte man auch und dann war ich ganz schnell akzeptiert. Probleme gab es eigentlich nur bei Tagungen und Reisen, wenn die Ehefrauen dabei waren. Die waren dann wieder komisch zu mir und plötzlich war kein Platz am Tisch mehr frei. Aber wenn wir unter uns waren, wurde man als Fachfrau akzeptiert.“

Havel oder Spree – wo kann man in Berlin am besten entspannen?
Hetzer: „In Gatow an der Havel. Dort bin ich groß geworden. Die Innenstadt war ja nach dem Krieg ausgebombt und so haben wir dann acht Jahre lang in unserem Sommerhaus gelebt. Deshalb bin ich eigentlich eine „Landpomeranze“. [lacht] Land, Natur und frische Luft – das war wunderbar! Man hat sich dort gegenseitig geholfen und konnte auch beim Bauern Ernst was kaufen. Unser altes Häuschen ist leider abgerissen worden, aber ich liebe Gatow immer noch. Im Breitehorn wohnt eine alte Klassenkameradin, bei der ich schwimmen und Kaffee trinken kann. Die große Badewiese in Hohengatow ist ein schöner Ort, um ganz in Ruhe spazieren zu gehen.“

Herz oder Schnauze – was macht den Charme von Berlin aus?
Hetzer: „Beides, wir haben Schnauze mit Herz! Das ist es doch. Viele, vor allem die Zugezogenen, verstehen das erst gar nicht und sind schockiert, weil ihnen Berlin so grob vorkommt. Das dauert schon ein halbes Jahr bis man mitkriegt, dass da auch Herzlichkeit dahinter steckt. Es sind ja nicht mehr so viele Ur-Berliner übrig. Aber ich mag den Wandel. Früher hat man immer nur dieselben Leute getroffen, das ist seit der Wende viel schöner. Ich bin auch gerne in Mitte. Viele mögen es dort nicht mehr aber ich finde es toll. Dort ist die Jugend, da geht die Post ab. Trotzdem fühle ich mich hier in Charlottenburg wohler, das ist eben mein zu Hause. Vielleicht braucht man auch einfach ein bisschen mehr Ruhe, wenn man älter ist. Manchmal wünsche ich mir, wieder jung zu sein und in Mitte auf die Piste zu gehen. Das wäre schon toll.“

Ruhelosigkeit oder Lust auf Neues – was war der Startschuss für Ihre Weltreise?
Hetzer: „Eigentlich waren es meine Kinder. Als die Firma verpachtet war und ich nicht mehr jeden Tag ins Büro gehen musste, da haben meine Kinder gesagt: ‚Mama du stirbst, wenn du nicht arbeiten gehst. Du hast dein Leben lang gearbeitet. Was willst du tun?‘ Quasi spontan fiel mir ein, dass ich um die Welt fahren könnte, wie Clärenore Stinnes in den 20er Jahren. Sie war der erste Mensch, der in einem Adler-PKW die Welt umrundet hat. Mein Plan wurde bekannt und von da an bedrängte mich die Presse mit der Frage, wann es denn endlich losgeht. Aus der Nummer kam ich also nicht mehr raus. [lacht] Kurz entschlossen habe ich es dann irgendwann einfach gemacht. Einen passenden Opel habe ich leider nicht gefunden. Es wurde dann ein Hudson, der so ähnlich aussieht wie das Auto von Clärenore. Besonders vorbereitet hatte ich mich nicht und das mit dem Beifahrer ging auch schief. Ich habe dann irgendeinen genommen, um einfach weg zu kommen. Im Nachhinein denke ich, dass ich wahrscheinlich nie im Leben gefahren wäre, wenn ich mehr recherchiert hätte. Aber man muss einfach den ersten, schwersten Schritt machen und dann geht’s los!“

Sofa oder Fahrersitz – was steht als nächstes an?
Hetzer: „In diesem Herbst starte ich zu einer Tour von Deutschland über die afrikanische Ostküste bis nach Kapstadt. Dann komme ich zurück nach Berlin, wenn es hier schön warm ist und dann fahre ich ab Herbst 2019 an der Westküste von Kapstadt zurück nach Deutschland. Da geht es über die Elfenbeinküste, das wird nicht so ganz einfach.

Als ich letztes Jahr von meiner Weltreise zurück kam, war das für mich ein ganz unglücklicher Sommer, furchtbar. Die Leute waren unfreundlich und ich dachte mir: ‚Was mache ich hier eigentlich?‘ Ich bin also nie wirklich angekommen und es war klar, dass ich wieder weg muss. Aber nicht wieder mit so einem alten Auto. Das tue ich mir nicht mehr an. Ich muss niemandem etwas beweisen – die Zeit ist vorbei. Ich mache diese Touren jetzt nur noch für mich, um die Dinge zu sehen, die ich verpasst habe. Zum Beispiel weil ich keinen Allrad hatte und immer auf normalen Straßen fahren musste.

Ich habe mir jetzt ein Auto mit einem dreißig Jahre alten Fahrgestell bauen lassen, der Aufbau ist ein Toyota Landcruiser mit Allrad-Antrieb. Der Motor kommt von Japan über Dubai nach Deutschland und hat keine Elektronik. Das war mir ganz wichtig, denn so kann der Motor von jedem und überall repariert werden. Ansonsten hat das Auto alles: ein Hub-Dach zum Schlafen, eine große Dusche, einen Kühlschrank, eine Heizung und leichte Stoßstangen. Ein super-duper Wagen! So ein Auto wollen natürlich viele haben. Das macht mir Sorge. Deshalb lasse ich es mir bekleben, in der hässlichsten Farbe der Welt: rosa! Das klaut keiner! [lacht] Falls es doch passiert ist es mit der Farbe gut aus der Luft zu erkennen. Um auf Nummer sicher zu gehen, schreibe ich groß meinen Namen aufs Dach.

Ich möchte meine Reise möglichst auch mit karitativer Hilfe verbinden. Vor Ort kann ich ja Organisationen abklappern und schauen, wo Hilfe benötigt wird, quasi als Botschafterin. So hätte die ganze Reise nicht nur für mich einen Sinn.“

 

Text: Manuela Mehnert, Eve-Catherine Trieba
Foto: XAMAXX

 


Info

Curry 36
Filiale am Bahnhof Zoologischer Garten
Hardenbergplatz 9
10623 Berlin
Öffnungszeiten täglich 8:00 – 5:00 Uhr

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