Currywurst, Walter Momper

Auf eine Currywurst mit … Walter Momper

Auch eine Stadt im Umbruch braucht einen Regierenden Bürgermeister: Von 1989 bis 1991 lenkte Walter Momper die Geschicke Berlins. Doch mit der Stadt verbindet den SPD-Politiker noch vieles mehr. Bereits seit seiner Studienzeit in den 60er-Jahren ist der gebürtige Niedersachse hier zu Hause, Momper war lange Jahre Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und gestaltete das Bild der Stadt als Projektentwickler in der Baubranche mit. Zum Interview an der Currywurstbude erscheint der 72-Jährige selbstverständlich mit dem legendären Momper-Schal …

BLO: Mit Darm oder ohne?

Walter Momper: „Mit Darm. Ich finde immer, die schmecken besser, aber das ist wahrscheinlich Einbildung. [lacht]“

Kochen oder bekochen lassen?

Momper: „Man kommt mit dem auswärts Essen gar nicht mehr nach. Gerade Richtung Neukölln gibt es unglaublich interessante Restaurants. Ich esse zwar auch gerne zu Hause – meine Frau, die seit ein paar Jahren nicht mehr arbeitet, kann das gut und macht das auch gerne – aber du entdeckst hier immer etwas Neues. Neulich erst waren wir in einem baskisch inspirierten Restaurant in Neukölln (https://txokoa.de). Unglaublich was die Leute alles Tolles auf die Beine stellen.“

Einmal Kreuzberg, immer Kreuzberg?

Momper: „Ich bin 1965 nach Berlin gekommen. Es war damals schwer, in West-Berlin eine Studentenwohnung zu bekommen. Wenn, dann waren die meistens in Dahlem oder Lichterfelde. Unser Nachbar zuhause war Schornsteinfegermeister und der hatte in Berlin gelernt. Seine Lehrmutter meinte, sie hätte nix, würde sich aber mal umhören. Und so landete ich zur Zwischenmiete in einem sehr schönen großen Zimmer in Kreuzberg – und bin hier auch immer wohnen geblieben.

Meine Frau ist dann nachgekommen und wir sind von einer Wohnung in die andere gezogen. Zwischenzeitlich lebten wir zum Beispiel in einer ehemaligen Kutscherwohnung im 3. Hinterhof. Zwar war die Toilette nicht mal auf dem Flur, sondern ganz draußen, aber dafür hatte man keine direkten Nachbarn. Wir haben dort Feten gefeiert ohne Ende. [lacht] Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre fing es an, dass Trabantenstädte gebaut wurden und dann sind viele Deutsche ausgezogen. Wir sind geblieben, nachdem ich Abgeordneter geworden bin sowieso. Damals hieß es, man müsse unbedingt im Wahlkreis wohnen, damit die Leute dich auch kennen. Wir haben uns schließlich zusammen mit drei anderen Parteien, von denen heute nur noch eine übrig geblieben ist, ein eigenes Haus gekauft und dort wohne ich immer noch.

Zu Hause habe ich mich in Kreuzberg eigentlich sofort gefühlt. Man war zwar anfangs ein bisschen vom studentischen Leben abgeschnitten, denn man fuhr ja abends nicht noch runter nach Dahlem. Und es gab viele Freunde aus Westdeutschland, die es nicht aushielten, dass man eingemauert war. Aber die Mehrheit fand das ganz gut.“

Auto, Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel?

Momper: „Zum Fahrradfahren kommen wir meist nur sonntags. Dann fahren wir vor allem im Sommer gerne in die Innenstadt. Dann ist auch nicht so viel Verkehr. Die Disziplin der Rad- und Autofahrer ist in meinem Augen aber größer geworden im Vergleich zu früher. Wir fühlen uns auf dem Fahrrad sicher. Auch U-Bahn und Bus fahren wir viel. Du hast ja hier ein unglaublich dichtes Netz in alle Himmelsrichtungen. Man kommt aus dem Kiez gut überall hin. Ohne groß über den Parkplatz nachdenken zu müssen.

Die Busspuren haben wir ja damals mit dem rot-grünen Senat eingeführt. Vor allem der ADAC aber auch ein Großteil der Bevölkerung war dagegen. Damals gab es eine harte Auseinandersetzung. Aber wir haben es trotzdem durchgezogen. Und dann lief das auch ganz gut. Heutzutage wenn man so etwas durchsetzen möchte, gibt es immer mehr Theater.“

Regierungsviertel oder Potsdamer Platz – wo ist für Sie der Mittelpunkt der Stadt?

Momper: „Der Mittelpunkt Ist schon das Brandenburger Tor, finde ich. Wo natürlich auch die Touristen immer sind. Aber ansonsten ist die Stadt polyzentrisch aufgebaut. Es gibt einmal den Osten, da ist der Alex das Zentrum. Und im Westteil natürlich Ku’damm, KaDeWe und so. Das persönliche Zentrum wird meiner Ansicht nach durchs Einkaufsverhalten gespiegelt. Unser Nahbereich ist der Kiez, wo wir alles mit dem Fahrrad erledigen können. Etwas weiter weg sind für uns die Wilmersdorfer Straße und die Schlossstraße die nächsten Zentren. Spandau oder Reinickendorf, da fährt man natürlich nicht so oft hin.“

Neubau oder Sanierung von Altbestand?

Momper: „Nur Neubau erweitert den Bestand. Das kann und muss man auch in der Innenstadt machen, denn hier ist das mit den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Da ist ja Gas, Wasser und alles da. Wenn du nach außerhalb gehst, da musst du natürlich vieles neu legen. Und auch die Verkehrsanschlüsse bauen und alles. Deshalb eindeutig: Neubau in der Innenstadt muss sein.

Manchmal ist das gar nicht so einfach. Ich habe 25 Jahre an einem Projekt in Potsdam gearbeitet, in der Zeppelinstraße. Wir betreuen solche Projekte vom Finden des Grundstücks bis zur Baugenehmigung. Bei dem Projekt gab es alle Probleme, die du dir nur denken kannst. Der Kaufland und die Seniorenresidenz stehen. Mit den Wohnungsbau kann es jetzt auch endlich losgehen.“

Ostsee oder Brandenburg?

Momper: „Die Ostsee liegt uns am Herzen. Rügen zum Beispiel lieben wir oder Warnemünde mit dem Blick auf die Dampfer. Es gibt viele Ecken, an die wir immer wieder gerne kommen. Auch wenn viele Leute meckern, es gibt dort eigentlich eine sehr stabile Wetterlage.

Das Brandenburger Umland haben wir in den ersten Jahren nach der Wende ganz viel erkundet. Unsere jüngere Tochter haben wir immer nach Lichterfelde zum Reiten gebracht und dann sind wir stundenlang rumgefahren. Das war toll. Aber jetzt machen wir das nicht mehr so. Wenn ich jetzt mal wieder in so einen kleinen Brandenburger Ort komme, bin ich immer ganz begeistert, wie sich das gemacht hat.

Aber eigentlich sind wir richtige Berliner Stadtpflanzen. Wir sind wohl mal bei Freunden draußen und es ist sehr schön, aber mehr auch nicht. Ich arbeite zum Beispiel gerne in unserem 400 Quadratmeter großen Garten. Dort im Grünen ist immer was zu tun, dafür brauche ich gar nicht ins Umland. [lacht]“

 

 

Text: Eve-Catherine Trieba
Foto: © XAMAX

 

Info

Curry 36 
Filiale Mehringdamm
Mehringdamm 36
10961 Berlin-Kreuzberg
Telefon: 030 25800 88336
Öffnungszeiten täglich 9 bis 5 Uhr

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